16. Jun 2026
Karina Frick
Institut für Germanistik, Universität Innsbruck
Klassenkampf! Sprachliche Distinktionspraktiken und ihre Wirkmächtigkeit
Abstract: Klassismus als wirkmächtig(st)e Form der Diskriminierung hat in Sozial- und Geisteswissenschaften generell und in der Sprachwissenschaft spezifisch bislang wenig Aufmerksamkeit erfahren. In dem Vortrag wird anhand von zwei Fallstudien aufgezeigt, wie klassistische Exklusion sprachlich hergestellt wird. Die erste Fallstudie widmet sich der Anschlusskommunikation zur Fernsehsendung Hartz und herzlich, ein Scripted Reality-Format, das darauf abzielt, Prekarität als Unterhaltung zu präsentieren. Die Daten umfassen Kommentare des offiziellen Instagram-Accounts der Sendung sowie eines sendungsbegleitenden Forums und werden sowohl quantitativ als auch qualitativ ausgewertet. Die zweite Fallstudie untersucht die soziale Perspektivierung von objektsprachlichen Beispielsätzen in Grammatikeinführungen für Studierende, da die Universität als Ort gilt, an dem soziale Abwertung konstruiert und für Individuen aus nicht-akademischen Elternhäusern besonders deutlich spürbar gemacht wird. Vor diesem Hintergrund werden klassistische Ideologien anhand einer framesemantischen Analyse objektsprachlicher Beispielsätze untersucht. Die Ergebnisse beider Fallstudien machen deutlich, dass sich klassistische Diskriminierung auf verschiedene Kapitalressourcen im Sinne von Bourdieu und deren (Nicht-)Verfügbarkeit bezieht, wobei kulturelle Aspekte in Form einer negativen Kulturalisierung eine besonders zentrale Rolle spielen.
